Homepage
Dit un Dat
DGzRS Bremerhaven
Chronik
Soldaten informieren sich
Atom-U-Boot "Kursk"
Berichte über das am 12. August 2000 gesunkene U-Boot
Teil - 1 - ( bis 31. Okt. 2000 )
.
 Kursk Teil 2 
 Seenotfälle - Archiv  
.
Kursk
letzte Änderung: 31. Oktober 2000

Taucher brechen Suche nach Toten in der «Kursk» ab
Moskau - Nach der Bergung von zwölf Toten aus dem Heck des gesunkenen russischen Atom-U-Boots "Kursk" sollen Taucher jetzt in ein Rumpfteil näher am Bug eindringen. Das Einstiegsloch werde in die dritte Sektion am Kommandoturm geschnitten, sagte der Kommandeur der Nordflotte, Admiral Wjatscheslaw Popow, am Dienstag im russischen Fernsehen.
Diese Arbeit werde erneut zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen. Die Arbeit in der achten Sektion am Heck wurde aus Sicherheitsgründen beendet.
Drei weitere der zwölf Leichen konnten am Dienstag identifiziert werden, sagte Flottensprecher Wladimir Nawrozki. Bislang war nur der Fund des Kapitänleutnants Dmitri Kolesnikow bestätigt, der einen Abschiedsbrief hinterlassen hatte. Bei etwas besserem Wetter konnten Hubschrauber acht der toten Seeleute von der Spezialplattform "Regalia" an Land in den
Flottenstützpunkt Seweromorsk bringen.
In den engen Räumen der Hecksektionen wurden noch mindestens elf Tote vermutet. Trotzdem sagte Nawrozki, ein weiteres Vordringen dort sei zu gefährlich. "Die Taucher haben alles Mögliche getan."
Am neuen Einsatzort in der dritten Sektion müssten sich bei dem Unglück im August 24 der 118 Seeleute an Bord der "Kursk" aufgehalten haben. Zudem könnten sich dort Überlebende aus benachbarten Abschnitten versammelt haben, sagte Nawrozki. An der dritten Sektion befindet sich die Rettungskapsel des U- Boots, die zur Wasseroberfläche abgeschossen werden kann. Die Kapsel, ein Teil des Kommandoturms, kam jedoch nicht zum Einsatz. Die Luken der hintersten neunten Sektion sowie das Einstiegsloch am achten Abschnitt seien nach Ende der Arbeiten verschlossen worden, sagte Nawrozki. Dort hatten sich dem Abschiedsbrief Kolesnikows zufolge nach dem Unglück am 12. August 23 Überlebende versammelt.
Die dritte Sektion der "Kursk" ist nach früheren Berichten beschädigt. Die Schäden seien jedoch nicht so schwer, wie an den beiden vorderen Abschnitten, hieß es. Der Bug der «Kursk» wurde durch eine schwere Explosion bei dem Unglück weitgehend zerstört. Die Ursache des Untergangs ist weiterhin unklar. Die Leichen, die in der "Kursk" bleiben, sollen
erst bei der für kommendes Jahr geplanten Hebung des gesamten Wracks geborgen werden.
Tagespresse vom 31.10.2000

DIE RUSSISCHEN TAUCHER ARBEITEN IM 9. RAUM DES U-BOOTS "KURSK"
Moskau, den 30. Oktober RIA-"Nowosti"-Korresp. Nowosti
Die russischen Taucher arbeiten im 9. Raum des havarierten kerngetriebenen U-Boots, während ihre norwegischen Kollegen Arbeiten am Rumpf des U-Bootes durchführen, verlautete heute gegenüber der RIA "Nowosti" aus dem Pressedienst der Seekriegsflotte der RF. 
Einige Massenmedien meldeten vorher, dass die Arbeit der Norweger ausgesetzt werden sollte, da solange die Wetterver- hältnisse dies zulassen, wird die technologische Öffnung im 8. Raum genutzt. Birger Haraldseyd, Pressesprecher der Gesellschaft Halliburton, teilte heute der RIA "Nowosti" telephonisch aus Norwegen mit, dass heute endgültige Entscheidung über die Öffnung erwartet wird, die im 9. Raum herausgeschnitten werden soll, um den Tauchern den Einstieg ins U-Boot zu erleichtern. Die Vorbereitungsarbeiten seien diesbezüglich bereits durchgeführt worden.
Im Pressedienst der Seekriegsflotte der RF wurde darauf hingewiesen, dass die russischen Taucher in den letzten 24 Stunden an Bord der "Regalia" noch 8 umgekommene Besatzungsmitglieder geborgen haben. Somit sind bis jetzt insgesamt bereits 12 Leichen von der "Kursk" evakuiert worden. 

Weitere Tote geborgen
Die ganze Nacht hindurch haben russische und norwegische Taucher am Wrack der "Kursk" gearbeitet. Aus den hinteren Abteilungen des gesunkenen Atom-U-Boots bargen sie weitere Leichen. 
Murmansk - Wie viele Tote in der Nacht aus dem Wrack an die Oberfläche geholt wurden wollte der Sprecher der
russischen Nordmeerflotte, Wladimir Nawrozki, nicht sagen. Am Donnerstag waren die ersten vier Leichen der insgesamt 118 Besatzungsmitglieder, die bei der Havarie in der Barentssee am 12. August ums Leben kamen, gefunden worden. Es wird aber damit gerechnet, dass sich noch mindestens 19 tote Seeleute in der neunten und achten Abteilung der "Kursk" befinden. Die Taucher haben begonnen, ein weiteres Loch in den Rumpf des Atom-U-Bootes zu schneiden.
Nach einer Wetterbesserung brachte ein Hubschrauber vier tote Soldaten in die Marinestadt Seweromorsk. Der stellver- tretende Ministerpräsident Ilja Klebanow und Verteidigungsminister Igor Iwanow wollen dort an einer Trauerfeier teilnehmen. Die Feierlichkeiten waren eigentlich für Samstag geplant, mussten aber verschoben werden, weil der Hubschrauber wegen starken Windes nicht starten konnte.
Am Donnerstag fanden die Taucher in der Uniformjacke des toten Kapitänleutnants Dimitrij Kolesnikow eine Notiz, derzufolge 23 Matrosen das Unglück in der Barentssee zunächst überlebten. Demnach versammelten sich 23 Überlebende nach den Explosionen in der neunten Abteilung des U-Boots, in der Hoffnung, sich durch die Ausstiegsluke retten zu können. Die russische Regierung hatte nach der Katastrophe tagelang gezögert, ehe sie ausländische Hilfe annahm. Die Ursache für die Havarie ist noch nicht bekannt. 
Tagespresse vom 29.10.2000

U-Boot-Tragödie Bergungsarbeiten an der "Kursk" gehen weiter
Trotz Sturms und rauer See haben Taucher am Morgen die Bergungsarbeiten am Wrack des russischen Atom-U-Bootes "Kursk" wieder aufgenommen. Die norwegischen und russischen Spezialisten bereiten in 100 Meter Tiefe die Schaffung eines neuen Einstieglochs an der neunten U-Boot-Sektion vor, meldet die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass.
Nach Einschätzung von Experten benötigen die Taucher mindestens einen Tag, um die zweite Öffnung in die dicke Außenwand des U-Boot-Rumpfes auf dem Grund der Barentssee zu schneiden. Im Heck des U-Bootes werden die Leichen von etwa 20 Seeleuten vermutet.
Die vor einer Woche begonnenen Bergungsarbeiten mussten bereits mehrfach wegen unruhiger See und Stürmen bis zu Windstärke zehn unterbrochen werden.
Unterdessen kommen immer neue Details ans Tageslicht. Offenbar tobte an Bord der "Kursk" auch noch ein Feuer. Wie ein Sprecher der Nordflotte sagte, wiesen die Leichen der vier bislang geborgenen Besatzungsmitglieder Verbrennungen und
Verstümmlungen auf. Der Ablauf der letzten Stunden der Männer bleibt aber weiterhin unklar. Nach einem gefundenen Abschiedsbrief sollen zunächst 23 Seeleute überlebt haben.
Zu Ehren der bislang geborgenen vier Seeleute soll am Sonntag eine Trauerfeier im nordrussischen Marinehafen Seweromorsk stattfinden. Die Familie des getöteten Kapitänleutnants Kolesnikow wurde am  Abend in Seweromorsk erwartet.
Tagespresse vom 28.10.2000

Überlebende von Feuer überrascht?
Mindestens 23 Seeleute der "Kursk" haben die Katastrophe in der Barentssee zunächst überlebt. Doch dann sind sie einen qualvollen Tod gestorben. Offenbar tobte ein Feuer an Bord.
Moskau - Die Leichen der vier bislang geborgenen Seeleute weisen Verbrennungen und Verstümmelungen auf, sagte der Sprecher der Nordflotte, Wladimir Nawrozki. Die Arbeiten am Wrack in 100 Meter Tiefe wurden wegen schlechten Wetters in der Barentssee unter- brochen. Mit einer Wiederaufnahme wurde erst am Wochenende gerechnet.
Unterdessen bezweifelt Flottenkommandeur Wjatscheslaw Popow, dass aus der neunten Sektion im Heck der "Kursk" die Überreste aller dort vermuteten etwa 20 Seeleute geborgen werden können. Denn die Durchgänge seien so eng, dass nicht die gesamte neunte Sektion
Taucher bei der Kursk
erkundet werden kann, so Popow. Zudem sei der Raum durch losgerissene Ausrüstung und Kästen mit Ersatzteilen blockiert. In dem Abschnitt gebe es "Anzeichen eines Brandes", teilte Popow mit, ohne genaue Einzelheiten zu nennen. Der Plan zur Suche nach den Leichen der insgesamt 118 Seeleute wurde geändert, nachdem bei einem geborgenen Offizier ein Brief mit Informationen über die ersten Stunden nach dem Unglück entdeckt worden war. Der Kapitänleutnant Dmitrij Kolesnikow schrieb, dass 23 überlebende Seeleute in die neunte Sektion geflüchtet seien. Deswegen sollten die Taucher bei ihrem weiteren Einsatz vor allem diesen Abschnitt erkunden. Kolesnikows Leiche war allerdings nach neuen Berichten in der achten Sektion gefunden worden.
Der Ablauf der letzten Stunden der Überlebenden war weiterhin unklar. Popow, selbst ehemaliger U-Boot-Fahrer, schätzte, dass sie etwa noch einen Tag nach dem Unglück gelebt haben könnten.
Tagespresse vom 27.10.2000
Schwere Identifizierung der "Kursk"-Opfer
Moskau - Keines der Kursk-Opfer habe eine Namensplakette getragen, sagte ein Offizier der russischen Nordflotte der
Nachrichtenagentur Itar-Tass. Trotz Dienstanweisung ließen viele Soldaten ihre Metallplaketten als Zeichen der Verbunden- heit daheim bei ihren Familien.
Von den vier in dieser Woche geborgenen Seeleuten konnte zunächst nur der Kapitänleutnant Dmitrij Kolesnikow identifiziert werden, weil bei ihm ein Abschiedsbrief gefunden wurde. Das Tragen der Erkennungsmarken werde nur vor längeren Fahrten überprüft, hieß es.
Tagespresse vom 27.10.2000
R U S S I S C H E   P R E S S E S T I M M E N vom 27. Oktober 2000
"Ein für das Regierungsimage tödliches Dokument"
"Sewodnja"
"Mehr als ein Fehler" titelt die Print-Ausgabe von "Sewodnja" und veröffentlicht eine Liste der größten offiziellen Lügen in Bezug auf den Untergang der "Kursk".
1. Lüge: Nach dem Unglück gibt es eine ständige Verbindung zur Kursk, Elektrizität und Sauerstoff sind vorhanden
2. Lüge:  Die Rettungsaktion begann schon in den ersten Minuten nach der Katastrophe.
3. Lüge:  Ausländische Hilfe zur Rettung der Besatzung ist nicht vonnöten - Russland verfügt über ausreichende eigene Mittel 
und Kräfte.
4. Lüge:  Die Öffnung des Notausstieges im neunten Abschnitt des Bootes durch Taucher ist nicht möglich.
5. Lüge: Die Besatzung gab keine Klopfzeichen aus dem Heck der "Kursk". Das mechanische Klopfen kam aus dem daneben liegenden Teil und wurde von den Rettern falsch interpretiert.
6. Lüge: Die gesamte Mannschaft der "Kursk" kam schon in den ersten Minuten nach dem Unglück ums Leben.
7. Lüge:  Die Besatzung der "Kursk" war ohne jede Chance auf  Rettung.

"Kommersant":
Der "Kommersant" veröffentlichte ein Interview mit der Witwe des Kapitän-Leutnants Kolesnikow, Olga Borisowna Kolesnikowa. Zwar hatten Vertreter des Flottenkommandos verkündet, dass auf Grund seines privaten Inhalts nicht der gesamte Text der bei Kolesnikow gefundenen Nachricht veröffentlicht worden sei. 
Frau Kolesnikowa jedoch hatte zum Zeitpunkt des Gespräches noch keine Kenntnis über den gesamten Wortlaut. Auf die Frage, ob man den Inhalt mutwillig zurückhalte, weil er den wahren Grund des Unglücks offenbaren könnte, sagte Frau Kolesnikowa: "Ich weiß, dass dieser Brief 
Kommersant
an mich gerichtet ist, er (der Ehemann, Anm. d. Red.) verabschiedet sich von mir. Alles, was das Boot betrifft, kann meines Erachtens nach veröffentlicht werden." Ihr Mann, so Olga Borisowna, sei ein gewissenhafter und selbstloser Mensch ge- wesen, der in schweren Stunden wusste, was zu tun sei. Kolesnikow und seine Kameraden hätten ihren Beruf sehr gemocht
und von ihrem Boot geschwärmt, "wie von einer Geliebten".

"Krasnaja Zwezda":
"Wir verneigen uns vor dem Mut der Taucher" schreibt die "Krasnaja Zwezda" und berichtet von dem Fund der vier Leichen an Bord der Kursk. Auf Grund der starken psychologischen Belastung stünden die in dem U-Boot tätigen Spezialisten unter ständiger ärztlicher Kontrolle. Der Gesundheitszustand der Bergungstruppen sei jedoch zufriedenstellend. Admiral Wjatscheslaw Popow habe sich an Bord der "Admiral Schabanenko" an die Vertreter der Medien gewandt und sie gebeten, besonders bei der Berichterstattung über die Evakuierung der Leichen taktisch klug mit der heiklen Situation umzugehen. Wie der Kommandant der Nordflotte sagte, sollte der Tod auf  Fernsehbildschirmen und Zeitungsseiten keinen Platz haben: "Lassen Sie uns menschlich bleiben."

"Sewodnja" online:
Nach Angaben von "Sewodnja" sind die Leichen der vier Seeleute auf Grund des schlechten Wetters nicht sofort nach Seweromorsk gebracht, sondern direkt auf der "Regalia" untersucht worden - möglicherweise mit Anwesenheit der norwegischen Helfer. Unter den ehemaligen und noch im Dienst stehenden Matrosen habe das Verhalten des Admirals Kurojedow Respekt hervorgerufen: Der Oberkommandierende der Flotte hätte alle Mittel und Möglichkeiten gehabt, einer Veröffentlichung des entlarvenden Briefes Kolesnikows entgegenzuwirken. Das für das "Regierungsimage tödliche Dokument" hatte offenbart, dass mindestens 23 Seeleute das Unglück zunächst überlebt und sich im neunten Abschnitt des U-Bootes aufgehalten hatten. Vize-Premier Sewodnja
Ilja Klebanow beeilte sich, zu bemerken, dass der Zettel lediglich einige Stunden nach dem Unfall geschrieben wurde und es "danach keine weiteren Aufzeichnungen" gegeben habe - ein impliziter Hinweis darauf, dass schon gegen Abend des 12. August niemand mehr hätte gerettet werden können. Putins gestrige Ankündigung, sein den Hinterbliebenen gegebenes Versprechen einzulösen und den heldenhaften Matrosen die verdiente Ehre zu erweisen, kommentiert "Sewodnja" mit den Worten: "Eine andere Wahl hat die Regierung ohnehin nicht. Und zu verbergen gibt es im Großen und Ganzen auch nichts mehr. Alles ist auch so klar." 


U-Boot-Unglück Kursk-Tragödie wirft neue Fragen auf
Nach der Bergung der ersten toten Matrosen aus dem verunglückten russischen Atom-U-Boot "Kursk" hat der russische Präsident Wladimir Putin  eine "offene Untersuchung" des Unglücks in der Barentssee angekündigt. Hintergrund ist ein
Abschiedsbrief, den Marinetaucher bei einem der Toten fanden.
Wie die Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtete, schrieb ein Besatzungsmitglied, dass mindestens 23 Marineleute das
Unglück vor zweieinhalb Monaten zunächst überlebten. Bislang war man davon ausgegangen, dass alle 118 Besatzungsmit- glieder unmittelbar nach der Explosion im August ums Leben kamen. Putin betonte, die Arbeiten würden so offen wie möglich durchgeführt. Dies gelte auch in Bezug auf die Ursachen der Katastrophe. Als wahrscheinlichste nennt die russische Flotte eine Kollision mit einem fremden U-Boot. Beweise gab es bislang keine.
Die Bergungsarbeiten in der Barentssee ruhen derweil wegen stürmischer See. Vier Leichen konnten bislang aus dem Wrack in über 100 Meter Tiefe geborgen werden.
Der Abschiedsbrief - Die Marine bestätigte die Angaben der Agentur. Itar-Tass hatte den russischen Marinekommandeur Wladimir Kurojedow mit den Worten zitiert, der Brief sei in einer Tasche des tot geborgenen Kapitänleutnants Dmitrij Kolesnikow entdeckt worden.
Darin schreibe der Seemann:
"Es ist jetzt 13.15 Uhr. Alle Mann der (U-Boot)-Abteilungen sechs, sieben und acht haben sich in Sektion neun begeben. Hier sind 23 Mann. Wir haben uns dazu entschieden, weil niemand von uns entkommen kann ".
Kolesnikow habe hinzugefügt: "Ich schreibe im Dunkeln".
Kapitänleutnabnt Kolesnikow
Tagespresse vom 26.10.2000
R U S S I S C H E   P R E S S E S T I M M E N  vom  26. Oktober 2000
"Mögen es wenigstens die Retter schaffen"
"Kommersant Daily":
Der "Kommersant Daily" berichtet von einem medienwirksamen Intermezzo an Bord der norwegischen Bergungsplattform "Regalia". Mit Piroggen im Gepäck seien die Witwen der an Bord zu Tode gekommenen Offiziere Silogow und Schubin zu einem Treffen mit Admiral Kuroedow erschienen: 
Sie lobten die Retter aus Russland und Norwegen und baten sie inständig, ihr Leben nicht unnötig aufs Spiel zu setzen. Nach dem für die russischen Bergungstruppen erfolgreichen 
Bergungsplattform Regalia
Verlauf der Suchaktion, so der "Kommersant" weiter, werde man die Leichen per Hubschrauber nach Seweromorsk transportieren. In einem Labor sollen die Körper der Verstorbenen dort von Armee-Spezialisten untersucht werden. Bei der weiteren Erforschung des Wracks werde man sich auf den achten und neunten Abschnitts konzentrieren - jedoch erst, wenn endgültig feststehe, dass sich in diesen Bereichen keine weiteren Leichen befänden.

"Rossiskaja Gaseta":
"Mögen wenigstens die Retter es schaffen", titelt die "Rossiskaja Gaseta" und mahnt zu mehr Ruhe und Besonnenheit. Zu viele
Emotionen und zu wenig ernsthafte Analyse hätten die Auseinandersetzung mit dem Kursk-Unglück geprägt. In Anbetracht
der Tatsache, dass die Mehrheit der Angehörigen sich bereits gegen die Durchführung der riskanten und kostspieligen Bergungsoperation ausgesprochen hätte, fragt die "Russische Zeitung" nach dem Sinn einer solchen Aktion. Selbst der Oberkommandierende der Flotte, Admiral Kuroedow, habe seiner Forderung, nicht unnötig das Leben der Tieftaucher zu gefährden, erneut Nachdruck verliehen. Zwar könne man unter Wasser auch bei Unwetter nahezu ungestört arbeiten, die an der Wasseroberfläche operierenden Schiffe seien jedoch gefährdet. Spezialisten bezweifelten zudem, dass die bisher
erreichten Fortschritte es erlaubten, das Boot in seiner Gesamtheit an die Wasseroberfläche zu heben.
"Izvestija":
Die "Izvestija" bezieht sich auf eine erneute Erklärung des Kriegsflotten-Admirals Kuroedov, der die Ursache für den Untergang der "Kursk" in einem Zusammenprall mit einem "Unterwasserobjekt" sieht. Der Admiral betone, dass er sich dessen zu 80 Prozent sicher und davon überzeugt sei, die "fehlenden 20 Prozent" in den nächsten zwei Monaten aufzudecken. Der Leiter der Presseabteilung der Kriegsflotte Russland Igor Dygalo betrachte diese Schlussfolgerungen als verfrüht: Man müsse die endgültigen Resultate der nicht öffentlich operierenden Regierungskommission abwarten. Unerwartete Unterstützung erhielt Kuroedov vom Sprecher der Primorsker Duma Sergej Dschekow, Mitglied der Arbeitsgruppe des Föderationsrates zur Klärung des Kursk-Unglücks. Die im Moment zur Verfügung stehenden Informationen ließen vermuten, dass der Unfall auf einen Zusammenstoß mit einem englischen Unterwasserboot  zurückzuführen sei. Die englische Botschaft in Moskau äußerte der "Isvestija" gegenüber, dass man der Version des Zusammenpralls mit einem britischen U-Boot nicht zustimmen könne.

"Nezavisimaja Gaseta":
"Tieftaucher schon am Ziel" heißt es bei der "Nezavisimaja Gaseta".  Die Kameraaufnahmen der oberen Kammer des achten Abschnitts hätten - trotz Sichtweiten unter einem Meter - gezeigt, dass dort alles in unverändertem Zustand sei. Als  lebensgefährlich für die Taucher hätten sich vor allem die messerscharfen Metallkanten erwiesen, welche die Gummischläuche der Atmungsgeräte und die Taucheranzüge zerschneiden könnten. In Anbetracht des Unwetters und schlechter Wetterprognosen für die nächsten 10 Tage könnten die Leiter der Bergungsoperation nur bestätigen: "Die Zeit arbeitet
gegen uns". Admiral Kuroedow hatte behauptet, er sei sich zu 80 Prozent sicher, dass die "Kursk" einem Zusammenstoß mit einem  anderen U-Boot zum Opfer gefallen sei. Auf seine Bemerkung, er werde innerhalb der nächsten zwei Monate die "Mörder" der Kursk ausfindig gemacht haben, soll Vize-PremierIlja Klebanow gesagt haben: "80 Prozent sind nicht 100 Prozent". 
 

"Prawda":
Die Online-Ausgabe der "Prawda" beruft sich auf Meldungen der Nachrichtenagentur "Interfax" und zitiert den Vizeadmiral der russischen Nordflotte, Michail Mozak. Dieser hatte am Donnerstag verkündet, dass von den vier bereits aus dem Wrack der "Kursk" 
Prawda
geborgenen Leichen eine identifiziert sei. Es handelt sich um den Leiter der Turbinengruppe, den Kapitän-Leutnant
Dmitrij Kolesnikow. Aus den bei ihm gefundenen Aufzeichnungen resultiere, dass zwei oder drei Besatzungsmitglieder möglicherweise versucht hätten, das sinkende U-Boot über eine Notluke im Abschnitt neun zu verlassen. "Wie wir wissen", so der Vizeadmiral, "ist dieser Versuch misslungen, vermutlich, weil die Luke mit Wasser gefüllt war."
.
"Novosti":
St. Petersburg -  Wenn
die Leichen von 23 bis 24 
Nowosti
Matrosen in der neunten Sektion des Atom-U-Bootes Kursk entdeckt werden, kann die Operation zur Bergung der Leichen allem Anschein nach zu Ende gehen. Diese Auffassung vertrat Igor Spasski, Direktor des Zentralen Konstruktionsbüros  Rubin, in dem das U-Boot konstruiert wurde, am Donnerstag in einem RIA "Nowosti"-Gespräch in St. Petersburg.
Alle Kräfte werden jetzt auf die 9. Sektion konzentriert, an der bei günstigen Wetterbedingungen im Laufe von eineinhalb bis zwei Tagen eine Einstiegsöffnung ausgeschnitten wird. Spasski zufolge ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass an oberen Decks der Sektion die meisten Leichen gefunden werden.
Russlands Vizeregierungschef Ilja Klebanow teilte in einer Stellungnahme zu Meldungen, wonach nach der Explosion an Bord der "Kursk" 23 Matrosen am Leben geblieben waren, mit, dass es keine einzige Chance gegeben hat, sie zu retten.

Sie warteten vergeblich
Von Andrej Sokolow
Moskau - Mindestens 23 Seeleute des russischen Atom-U-Boots "Kursk" haben die Katastrophe in der Barentssee zu- nächst überlebt und sind im vergeblichen Warten auf Hilfe einen qualvollen Tod durch Kälte und Sauerstoffmangel gestorben. Erst zweieinhalb Monate nach dem Untergang des modernsten Unterwasserschiffs der russischen Flotte gelangte diese dramatische Wahrheit mit der letzten Botschaft von Kapitänleutnant Dimitrij Kolesnikow ans Tageslicht. 
"13.15 Uhr, die Besatzung der sechsten, siebten und achten Sektion ist in die neunte Sektion übergewechselt; Wir sind hier 23 Mann; keiner von uns kann an die Oberfläche gelangen", kritzelte der 30-jährige Kolesnikow wenige Stunden nach dem Unglück in völliger Dunkelheit auf einen Zettel. In der hintersten neunten Sektion befindet sich die Notausstiegsluke, an die veraltete russische Rettungskapseln tagelang nicht andocken konnten. Als norwegische Taucher eine Woche nach dem Unglück die Luke binnen Stunden öffneten, war die Sektion bereits voll eiskalten Wassers. Kolesnikow, Sohn eines Marineoffiziers aus St. Petersburg, war Kommandeur der siebten Bootssektion, des Maschinenraums der "Kursk". Er hatte erst wenige Wochen vor seinem Tod geheiratet. Seine Witwe wird nun den Brief ihres Mannes erhalten, in dem er auch einen letzten Gruß an sie schrieb.
SeitWochen schon sagten russische Offizielle zum Trost der Verwandten, deren 118 Söhne und Väter seien vermutlich bereits "in den ersten Sekunden" nach dem Unglück ums Leben gekommen. Die Botschaft Kolesnikows widerlegt diese Darstellung und bringt die Frage nach der Verantwortung für eine möglicherweise zu späte Annahme ausländischer Hilfe wieder auf. Die "Kursk" sank am 12. August, einem Samstag. Erst am Mittwoch darauf nahm Präsident Wladimir Putin das westliche Hilfsangebot an. Es bleibt jedoch unklar, wie lange es noch Überlebende an Bord der "Kursk" gab und ob nicht ohnehin jede Hilfe zu spät gekommen wäre.
Tagespresse vom 26.10.2000

Nach der Explosion gab es noch Überlebende
Von den vier Leichen, die aus dem untergegangenen Atom-U-Boot "Kursk" geborgen wurden, ist die erste identifiziert. Der Mann hatte die letzten Augenblicke vor seinem Tod auf einem Zettel beschrieben, demnach gab es zunächst noch 23 Überlebende. 
Moskau - Bei dem Opfer, das russische Spezialisten identifiziert haben, handelt es sich um einen Kapitänleutnant mit dem Namen Kolesnikow. In der Uniformtasche des Mannes wurde ein Zettel gefunden. Er habe die letzten Augenblicke vor seinem Tod festgehalten, erklärte Marine-Oberbefehlshaber Wladimir Kurojedow nach Angaben der Agentur Itar-Tass. Demzufolge haben 23 Seeleute die Explosion auf dem Atom-U-Boot zunächst überlebt. Auf dem Papier steht: "Alle Besatzungsmitglieder der sechsten, siebten und achten Abteilung sind in die neunte gegangen. Wir sind hier 23 Mann. Wir haben uns wegen der Havarie zu diesem Schritt entschlossen. Keiner von uns kann an die Oberfläche gelangen." Und er fügt hinzu: "Ich schreibe dies blind." Offenbar war die Notbeleuchtung bereits ausgefallen.
Einen Hinweis auf die Ursache des Unglücks gibt es in dieser Nachricht offenbar nicht. Auf der Notiz war die Zeit 13.15 Uhr vermerkt, jedoch ohne Angabe eines Datums. Russische und ausländische Schiffe in der Barentssee hatten am Tag des Unglücks, am 12. August, gegen 11.30 Uhr eine Explosion registriert.
In der neunten Abteilung der "Kursk" befand sich die Notausstiegsluke. Russische U-Boote konnten nach dem Unglück nicht an die Luke andocken. Das gelang erst eine Woche später norwegischen Tauchern, die jedoch keine Überlebenden fanden.
Kurojedow sagte, nach der Entdeckung der Notiz konzentrierten sich die Taucher bei ihrer Arbeit auf die neunte Kammer. Kolesnikow sei der einzige Matrose, der bisher identifiziert worden sei. Die Tiefseetaucher hatten in den vergangenen fünf Tagen ein Loch in die Außenwand der "Kursk" geschnitten und waren am Mittwoch in das Wrack eingestiegen. Russische Marinevertreter hatten kurz nach dem Unglück erklärt, das möglicherweise einige der 118 Matrosen die Explosion überlebt haben könnten, worauf auch Klopfzeichen aus dem Wrack deuteten. Andere hielten dies für unwahrscheinlich und schrieben die Geräusche zerberstenden Ausrüstungsgegenständen zu.
Tagespresse vom 26.10.2000

A R B E I T E N   A M   " K U R S K " - W R A C K  Vier Leichen geborgen
Aus dem gesunkenen russischen Atom-U-Boot "Kursk" haben Marinetaucher bislang vier Leichen geborgen. Die Suche nach weiteren Opfern wurde wegen eines heraufziehenden Sturms unterbrochen.
Moskau - In der Barentssee wurden die Taucher nach Angaben des Kommandeurs der Nordmeer-Flotte, Wjatscheslaw Popow, durch hohe Wellen bedroht. Auch die Wetteraussichten an der Unglückstelle nördlich von Murmansk sind der Nachrichtenagentur Tass zufolge nicht günstig. In den kommenden drei Tagen sei mit Stürmen zu rechnen, die eine Weiterarbeit verhindern könnten.
An der Außenwand des U-Boots dagegen setzten norwegische Taucher nach Angaben Popows ihre Arbeit zunächst fort. Um alle Bereiche, in denen Tote vermutet werden, durchsuchen zu können, müssen an sieben Stellen Löcher in die "Kursk" geschnitten werden. Der Rumpf des U-Boots ist so gebaut, dass er nicht von Torpedos durchdrungen werden kann.
Am Mittwoch waren die russischen Spezialisten bei ihrem ersten Tauchgang in das Wrack auf die Leichen gestoßen. Am Abend wurden die sterblichen Überreste an die Oberfläche gebracht. Die Taucher waren in zwei Schotten der "Kursk" vorgedrungen, die von der Explosion vor dem Sinken des U-Boots am wenigsten betroffen waren. Die Marine rechnete damit, in einem der beiden Schotts bis zu sieben Besatzungsmitglieder zu finden. In einem ersten Anlauf war einer der Taucher nur sechs Meter weit vorgedrungen, weil seine Sauerstoffleitung zu kurz war. 
Die geborgenen Leichen sollen an Land bestattet werden. Dies hatte der russische Präsident Wladimir Putin den Angehörigen versprochen. Die "Kursk" sank im August aus noch ungeklärter Ursache; alle 118 Seeleute an Bord starben. Das U-Boot liegt in mehr als hundert Meter Tiefe. Die Öffentlichkeit war tagelang über das Ausmaß des Unglücks im Ungewissen gehalten worden. Putin war vorgehalten worden, dass er seinen Urlaub auf der Krim nicht umgehend unterbrach, um zur Barentssee zu kommen.
Tagespresse vom 25.10.2000
Drei "Kursk"-Leichen gefunden
Russische Taucher sind am Mittwoch erstmals in das gesunkene Atom-U-Boot "Kursk" eingestiegen. Dabei entdeckten sie die ersten Opfer des Unglücks.
Moskau - Zweieinhalb Monate nach dem Untergang der "Kursk" hatte der Bergungstrupp seinen ersten traurigen Erfolg. Der Stabschef der russischen Nordflotte, Michail Mozak, bestätigte im russischen Fernsehsender RTR den Fund der sterblichen Überreste von drei Matrosen. Zuvor war ein russischer Taucher in das Heck des Boots eingestiegen und hatte die achte und
neunte Sektion erkundet.
Noch im Laufe des Abends sollen die Leichen mit einem Spezialkorb an die Wasseroberfläche gebracht werden. "Das Ganze geschieht natürlich mit allem gebotenen Respekt", sagte Birger Haraldseid, Sprecher der norwegischen Spezialfirma "Halliburton", die die russischen Taucher bei ihrer Arbeit an der "Kursk" technisch unterstützt.
Der Taucher hatte zunächst nur fünf Meter tief in die "achte Sektion" im Heck der "Kursk" vordringen können. Wegen des sperrigen Tauchanzugs sei er nicht weiter voran gekommen, da der Durchgang zu eng wurde, sagte Admiral Wjatscheslaw Popow. Dagegen erklärte der Sprecher der Nordflotte, Wladimir Nawrozki, der Taucher sei nicht weitergekommen, weil der Luftschlauch seines Anzugs zu kurz sei. Mit einem längeren Schlauch solle ein neuer Versuch gemacht werden.
An der Decke der Sektion habe der Taucher ein Luftpolster entdeckt, erklärte Popow. Nach dem Untergang der "Kursk" am 12. August wurde tagelang vermutet, dass ein Teil der 118 Mann starken Besatzung dank verbliebener Luft das Unglück überlebt haben könnte. In der achten Sektion sollen sich zum Zeitpunkt des Unglücks sieben Seeleute aufgehalten haben.
Die Luke in eine untere Kammer der achten Sektion sei verschlossen und habe nicht geöffnet werden können, hieß es weiter. Die Luke in die benachbarte neunte Sektion lasse sich wegen eines Hindernisses nicht vollständig öffnen. Das U-Boot wurde durch eine gewaltige Explosion bei dem Unglück schwer beschädigt. Die Arbeit der Taucher im Inneren des Wracks gilt deshalb als äußerst gefährlich. Der Einsatz in mehr als 100 Meter Tiefe soll bei Gefahr für die Spezialisten sofort gestoppt werden.
Russische und norwegische Taucher hatten in den vergangenen Tagen ein 1,2 Meter breites Einstiegsloch in die achte Sektion der "Kursk" geschnitten. Derzeit wird auch an einem Loch in die benachbarte siebte Sektion gearbeitet. An der hintersten neunten Sektion wurde die Notausstiegs-Luke geöffnet. Aus der Sektion werde schmutziges Wasser abgepumpt, damit Taucher einsteigen können. Wegen des stürmischen Wetters in der nördlichen Barentssee ist ungewiss, ob die für eine Dauer von etwa drei Wochen geplanten Arbeiten abgeschlossen werden können.
Tagespresse vom 25.10.2000

Barentssee Bergung der "Kursk"-Opfer fortgesetzt
Die Bergungsarbeiten an dem gesunkenen russischen Atom-U-Boot "Kursk" sind nach einer Wetterberuhigung wiederaufge- nommen worden. Am Montag mußten die norwegischen und russischen Taucher ihre Arbeit bei Windstärke neun und zehn Meter hohen Wellen unterbrechen.
Die Besatzung des Mutterschiffs der Tauchern, der norwegischen "Regalia", berichten nun von Wellen, die auf vier Meter Höhe zurückgegangen seien. Allerdings sagten Meteorologen für die kommenden Tage erneut schlechtes Wetter voraus.
Die Taucher hatten erst am Montagmorgen damit begonnen, größere Einstiegslöcher in die äußeren und inneren Druckkörper des U-Bootes zu schneiden, um die insgesamt 118 toten Seeleute aus dem Schiff holen zu können. Bisher ist das erste Loch noch nicht groß genug, damit Taucher in das Innere vordringen können. Bereits Mitte der Woche sollten erste Taucher in das Innere des Bootes steigen und nach den Leichen suchen.
Insgesamt müssen die Taucher sieben Löcher in die "Kursk" bohren, um jeden Winkel im Inneren des 154 Meter langen U-Boot-Wracks zu erreichen. Eine dicke Gummischicht erschwert die Arbeit. Ausgangspunkt der Expedition ist das norwegische Spezialschiff "Regalia " mit einer schwimmenden Taucherplattform. Die "Regalia" war am Freitag an der Unglücksstelle eingetroffen.
Die "Kursk " war nach mehreren Explosionen an Bord am 12. August mit 118 Besatzungsmitgliedern gesunken. Die Ursache der Explosionen ist dem Vernehmen nach noch nicht ermittelt.
Tagespresse vom 24.10.2000

" K U R S K "   Taucher durchlöchern die innere Hülle
Auch Sturm und Regen konnten Taucher nicht davon abhalten, ein erstes Erkundungsloch in die dicke Hülle der "Kursk" zu schneiden. Weder Öl noch Radioaktivität wurden im Wasser entdeckt.
Moskau - Zwei Monate nach dem Untergang des russischen Atom-U-Bootes "Kursk" haben Taucher mit dem gefährlichsten Teil der Bergungsaktion für die toten Seeleute aus dem Wrack begonnen. Bei rund um die Uhr dauernden Vorarbeiten bohrten sie bis Sonntagmittag ein erstes Erkundungsloch in den Innenrumpf des Wracks, das in mehr als 100 Meter Tiefe in der Barentssee liegt. Das Loch solle bis zum Montagmorgen zu einem Einstieg in das Wrackinnere erweitert werden, sagte der Sprecher der russischen Nordflotte, Wladimir Nawrozki. Obwohl am Sonntag Sturm und Regen aufkamen, gerieten die von der norwegischen Tauchplattform "Regalia" aus geleiteten Arbeiten nicht in Verzug. Das Spezialschiff der internationalen Öltechnikfirma Halliburton war am  Tauchplattform Regalia
Freitag über der Unglücksstelle in Position gegangen. Schwierigkeiten hatten den russischen und norwegischen Tauchern die Beseitigung von Druckluftbehältern, Leitungen und einer Gummischicht zwischen den beiden Schalen des Rumpfes bereitet, berichtete der Kommandeur der Nordflotte, Admiral Wjatscheslaw Popow. Zum Schneiden des Einstiegs werde weiteres Gerät in die Tiefe hinabgelassen. Die Arbeiten konzentrierten sich auf die achte und neunte Sektion nahe dem Heck. Der Bug der "Kursk", eines hochmodernen U-Bootes der Oscar-II-Klasse von 155 Metern Länge und 18.000 Tonnen Gewicht, war am 12. August bei zwei Explosionen aus noch unbekannter Ursache völlig zerstört worden. Westliche Militärs vermuten eine Torpedo-Explosion, während Moskau lange von einer Kollision mit einem ausländischen U-Boot ausging.
Wasserproben aus dem Wrackinneren hätten keine Hinweise auf  Brandschäden oder Ölverschmutzung in der achten Sektion ergeben, sagte Popow. Der Druck sei normal. Nur russische Taucher sollen zur Untersuchung und zur Bergung der Leichen in das Innere eindringen. In der Enge und Dunkelheit erwartet sie wahrscheinlich ein Chaos an zerstörten Metallteilen. Die Norweger werden aus Gründen der militärischen Geheimhaltung nur außen am Wrack eingesetzt. Experten rechneten nach Angaben der Zeitung "Sewodnja" damit, dass nur fünf bis sechs tote Seeleute geborgen werden können. Messungen mit Tauchrobotern zeigten keine erhöhte Radioaktivität am Wrack an. Die "Kursk" wurde von zwei Atomreaktoren ange- trieben, die sich beim Untergang nach Militärangaben automatisch abschalteten. Atomwaffen waren angeblich nicht an Bord.
Tagespresse vom 22.10.2000

B E R G U N G  -  Taucher schneiden Löcher in die "Kursk"
Spezialisten ist es gelungen, einige Druckluftbehälter des untergegangenen Atom-U-Boots "Kursk" zu entleeren. Die wirklich gefährlichen Teile der Bergungsaktion haben die Tauchern aber noch vor sich.
Moskau - Russische und ausländische Taucher haben am Samstag ihre Operation zur Bergung der toten Seeleute aus der "Kursk" begonnen. Bei den Vorarbeiten in mehr als 100 Meter Tiefe in der Barentssee schnitten sie nahe des Hecks zwei kleine Öffnungen in die Außenhülle des Wracks, teilte die russische Marine mit.
Ein Sprecher der russischen Nordflotte, nach Öffnung der dünnen Außenhaut des Schiffes und Entlüftung der Tanks hoffe
man, wenn das Wetter mitspiele, bis Sonntagabend so weit zu sein, dass auch die starke innere Wandung des Schiffes geöffnet werden könne. Erst dann können Taucher ins Wrack gelangen. Die "Kursk" liegt seit dem Explosionsunglück im August in über 100 Metern Tiefe. Basis der Operation ist die Spezialplattform "Regalia" aus Norwegen, die der inter- nationalen Öltechnikfirma Halliburton gehört. Erste Untersuchungen mit Tauchrobotern ergaben, dass am Wrack keine erhöhte Radioaktivität herrscht. Die "Kursk" wurde von zwei jeweils 190 Megawatt starken Reaktoren angetrieben, die sich beim Untergang am 12. August nach Militärangaben automatisch abschalteten.
In dem etwa vier Grad kalten Wasser operierten jeweils zwei Russen direkt am Wrack, während ein Norweger in der Taucherglocke die Arbeit sicherte, sagte der Kommandeur der Nordflotte, Admiral Wjatscheslaw Popow. Die Dreierteams würden alle vier Stunden abgelöst. Durch die in die Außenhülle geschnittenen Löcher öffneten Taucher die Ventile der Druckluftbehälter und -leitungen zwischen Außenhülle und Innenrumpf im Bereich der achten und neunten Sektion der "Kursk". In der neunten Sektion am Heck befindet sich die Rettungsluke, die norwegische Taucher nach dem Unglück im August geöffnet hatten, um sich Gewissheit über den Tod der gesamten Besatzung zu verschaffen. Der Bug des U-Bootes war beim Untergang durch zwei Explosionen zerstört worden.
Die jetzige Phase der Bergungsaktion sei noch relativ ungefährlich, hieß es bei der russischen Marine. Gleichwohl sei den Einsatzkräften der Rat mit auf Tauchfahrt gegeben worden, alle Risiken zu vermeiden. Ernster werden die Gefahren, wenn die dicke Innenwandung für den Einstieg ins Schiffsinnere durchtrennt ist und im eiskalten Wasser der See die eigentlichen Bergungsarbeiten beginnen. Metallstreben und Trümmer könnten die Taucher dabei in Gefahr bringen. Deshalb ist vorge- sehen, dass sich zunächst nur ein russischer Marinetaucher ins Schiffsinnere vorwagt. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, schien fraglich, nachdem für Sonntag wieder stürmisches Wetter erwartet wird.
Tagespresse vom 21.10.2000

Spezialschiff über "Kursk" in Position  - Bergung der Toten beginnt
Zwei Monate nach dem Untergang des russischen Atom-U-Bootes "Kursk" bereiten sich 18 Taucher auf einem Spezialschiff auf den ersten Tauchgang zum Wrack vor.
Moskau - Die "Regalia" ist am Freitag über der "Kursk" in Position gegangen. An Bord der schwimmenden Plattform aus Norwegen bereitete sich ein Team von zwölf russischen und sechs ausländischen Tauchern auf den ersten Tauchgang zu dem in 100 Meter Tiefe liegenden Wrack vor, teilte die russische Nordflotte mit. Die Bergung der Leichen aus der im August mit 118 Seeleuten gesunkenen "Kursk" soll am kommenden Dienstag oder Mittwoch beginnen. Marinekommandeur Wladimir Kurojedow flog von Murmansk mit einem Hubschrauber hinaus zur "Regalia", um den Ausbildungsstand des Teams zu überprüfen. Kursk - Rettungskaspel
Die Spezialplattform sollte am Freitagnachmittag einsatzbereit sein, sagte Birger Haraldseid, der Sprecher der internationalen Öltechnikfirma Halliburton in Norwegen. Ihr gehört die "Regalia". Das Wetter in der Barentssee war nach Angaben der russischen Marine gut. Zuerst soll unter anderem die Strahlensituation um das Atom- U-Boot herum untersucht werden. Die "Kursk" hatte zwei Reaktoren mit jeweils 190 Megawatt Leistung an Bord. Die Taucharbeiten werden nach Expertenmeinung bis zu 20 Tage dauern.
In Russland ist in den vergangenen Tagen die Kritik an der geplanten Bergungsaktion gewachsen. Die Marine kündigte vor der Ankunft der "Regalia" an, bei Gefahr für die eingesetzten Taucher werde die Bergung der toten Seeleute abgesagt. Admiral Kurojedow widersprach Berichten, die Taucher sollten nicht die Toten, sondern geheime Ausrüstung aus dem U-Boot retten. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte den Angehörigen nach der Katastrophe versprochen, die Toten bergen zu lassen. Das gesamte Wrack der "Kursk" soll im kommenden Jahr gehoben werden.
Tagespresse vom 20.10.2000

Putin will Besatzung und Wrack bergen lassen
Russlands Präsident Putin will das Risiko eingehen: Die 118 toten Seeleute des gesunkenen Atom-U-Bootes "Kursk" und das Wrack sollen geborgen werden.
Moskau - Taucher sollten die Leichen von Oktober bis November aus dem in 100 Meter  Tiefe auf dem Grund der Barentssee liegenden Boot bergen, sagte Vize- Regierungschef Ilja Klebanow nach einem Treffen mit Wladimir Putin. Russische und westliche Marine- und Atomexperten hatten in den vergangenen Wochen vor Sicherheitsrisiken bei den geplanten Einsätzen gewarnt. Die Regierung sei sich der Gefahren für die Taucher bewusst, die in das Wrack der "Kursk" steigen sollen, betonte Klebanow. Für diese Mission sollen nur freiwillige russische Taucher eingesetzt werden. Klebanow gab zu, dass nicht alle Toten geborgen werden können. "Die ersten drei bis vier Sektionen des Boots sind zerstört und aus ihnen wird niemand herausgeholt werden können." Auch die für Spätsommer bis Herbst kommenden Jahres geplante Bergung des ganzen Wracks solle auf ausdrückliche Anordnung Putins verwirklicht werden. Die beiden Atomreaktoren seien kein Hindernis für die Hebung, sagte der Vize-Regierungschef. Unter anderen hatte der russische Atomminister Jewgenij Adamow vor einem möglichen Austreten von Radioaktivität bei einer Bergung des U-Boots gewarnt. Das 18.000 Tonnen schwere und 155 Meter lange Wrack solle mit internationaler Hilfe gehoben werden, sagte Klebanow. Vermutlich werden sich belgische und niederländische Unternehmen beteiligen. Die Vereinbarung mit der britisch-norwegischen Taucherfirma Stolt Offshore über eine Zusammenarbeit bei der Bergung der Toten aus der "Kursk" solle in den kommenden Tagen unterzeichnet werden.
Schwesterboote der "Kursk" dürfen auch mehr als einen Monat nach dem Unglück weiterhin nicht auslaufen, wie Marinechef Admiral Wladimir Kurojedow sagte. Die "Kursk" war am 12. August aus bislang ungeklärter Ursache verunglückt. Seitdem gilt für die verbliebenen Boote dieser Klasse ein Auslaufverbot.
Tagespresse vom 19.09.2000 

Marine dementiert Bericht über Raketenbeschuss der "Kursk"
Die russische Marine hat Berichte zurückgewiesen, wonach das mit 118 Mann Besatzung verunglückte Atom-U-Boot "Kursk" von der eigenen Flotte versenkt worden sei. Bei dem Manöver seien nur Raketen und Torpedos ohne Sprengköpfe verwendet worden. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Marine-Sprecher Igor Dygalo. Die "Berliner Zeitung" berichtete, dass atomgetriebene U-Boot sei von einer Anti-U-Boot-Rakete getroffen worden. Diese soll vom russischen Kreuzer Kreuzer - Peter der Große
"Peter der Große" abgefeuert worden sein. Das Blatt berief sich auf den russischen Inlandsgeheimdienst FSB. Eine Sonderermittlungsgruppe unter Leitung des FSB-Chefs Nikolai Patruschew hatte ihren Untersuchungsbericht bereits Ende August an den russischen Präsidenten Wladimir Putin übergeben, schrieb die Zeitung weiter. In dem Bericht hieß es, der Kreuzer habe die Rakete während eines Manövers abgeschossen. Die Rakete sei in einer Entfernung von 20 Kilometer ins Wasser eingetaucht. Danach habe der Kreuzer zwei Explosionen registriert. Auf dem Kreuzer sei zunächst angenommen worden, die Explosionen seien Teil des Manövers. Erst später habe man festgestellt, dass sich die "Kursk " an der Eintauch- stelle der Rakete befunden habe.
Putin, der derzeit auf dem Millenniumsgipfel in New York ist, gab noch keine Stellungnahme ab.
Tagespresse vom 08.09.2000 

" K U R S K " - K A T A S T R O P H E  - Bergung der Toten ab Ende September
Moskau - In gut vier Wochen sollen russische und norwegische Taucher damit beginnen, die Leichen der 118 Seeleute aus dem untergegangenen Atom-U-Boot zu bergen. Anschließend soll auch die "Kursk" selbst vom Meeresboden geholt werden. Allein die Bergung der Leichen werde bis zu sieben Millionen Dollar kosten, sagte der russische Vizeregierungschef Ilja Klebanow am Dienstag nach der Sitzung einer Sonderkommission in St. Petersburg. Die "Kursk" wieder an die Wasserober- fläche zu holen, wird schätzungsweise 100 Millionen Dollar kosten. Um die Toten aus dem Untersee- boot herauszubekommen, sollen in das in 100 Meter Tiefe liegende Wrack große Löcher geschnitten werden. Durch diese Öffnungen sollen die Taucher ins Innere des 155 Meter langen Bootes steigen können. Die Taucher würden in drei Gruppen zu drei Mann aufgeteilt - jeweils zwei Russen und ein Kursk
Norweger. Als Erste würden auf jeden Fall russische Spezialisten in die "Kursk" steigen, betonte Klebanow. Der schwer beschädigte Bug solle abgeschnitten werden. Es ist bislang unklar, wie die norwegische Seite zu diesem Plan stand. Nach früheren Angaben hat die britisch-norwegische Spezialfirma Stolt Offshore den Auftrag zur Bergung der Leichen angenommen. Das Bergungsprojekt soll am Donnerstag einer norwegischen Delegation in Petersburg vorgelegt werden. Die russischen Taucher sollen einen zweiwöchigen Spezialkurs auf einem norwegischen Rettungsschiff absolvieren. In Russland stieß der Plan bereits auf Kritik. "Selbst die besten Taucher werden alle 118 Seeleute nicht bergen können. Ein U-Boot ist kein Tunnel", sagte der frühere Chef der Schwarzmeerflotte und U-Boot-Kommandant, Admiral Eduard Baltin. Die Hebung des Wracks solle "ein rein russisches Projekt" werden, betonte Klebanow. Die russische Regierung erwog zuvor, auch hier Hilfe aus dem Ausland anzufordern. Das 18.000 Tonnen schwere U-Boot solle binnen eines Jahres geborgen werden. Die "Kursk" war am 12. August aus bisher geklärter Ursache gesunken. Sie hat zwei Atomreaktoren an Bord, die nach offiziellen Angaben abgeschaltet sind.
Tagespresse vom 29.08.2000 

"Kursk"-Tragödie - Putin erhält Rückendeckung
Der Gouverneur der russischen Region Kursk, Alexander Ruzkoi, hat schwere Vorwürfe gegen die Militärführung des Landes erhoben. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" warf er Verteidigungsminister Igor Sergejew und dem Obersten Chef der Flotte, Admiral Wladimir Kurojedow, vor, Präsident Wladimir Putin "belogen, ausgetrickst und vor der gesamten Welt
entehrt" zu haben. Kurojedow und Sergejew hätten dem Präsidenten frühzeitig berichten müssen, dass man selbst keine
Rettungsmittel für große Tiefen besitze und ihm raten müssen, sich an das Ausland zu wenden, sagte Ruzkoi. Seiner Ansicht nach hätten daraufhin die Norweger praktisch innerhalb von 24 Stunden die Rettungsarbeiten aufnehmen können. So hätten sicherlich zahlreiche Besatzungsmitglieder gerettet werden können. Ruzkoi geht davon aus, dass der fehlgeschlagene Test eines neuartigen Torpedos Ursache der Katastrophe war. Eine Bestätigung der Unglücksursache werde man aber erst bekommen, wenn das Boot gehoben wird, so der Gouverneur. Eine Kollision mit einem anderen U-Boot als Unglücksursache - so wie Verteidigungsminister Igor Sergejew stets betont - schloß Ruzkoi aus.
Tagespresse vom 27.08.2000 

" K U R S K " - K A T A S T R O P H E -  Putin verleiht Orden an die tote Mannschaft
Moskau - Zwei Wochen nach dem Untergang des russischen Atom-U-Bootes "Kursk" hat Präsident Wladimir Putin die 118 toten Besatzungsmitglieder für Tapferkeit und Heldentum ausgezeichnet. Der Kommandant der "Kursk", Kapitän Gennadi Ljatschin, den Orden "Held Russlands", einen der höchsten Orden des Landes. Die übrigen Besatzungsmitglieder wurden mit dem Tapferkeitsorden ausgezeichnet. Per Erlass ordnete Putin am Samstag auch umfangreiche Gedenkmaßnahmen für die Mannschaft an. In der Marinebasis Widjajewo, dem nordrussischen Heimathafen des gesunkenen U-Bootes, soll ein Denkmal für die tote Mannschaft errichtet werden. Außerdem soll an die Toten mit einer Ausstellung im Moskauer Militär- museum erinnert werden. Putin war wegen seines distanzierten und kühlen Verhaltens während der verzweifelten tagelangen Rettungs- versuche für die Seeleute in Russland massiv kritisiert worden.
Die "Kursk" war am 12. August aus bislang ungeklärter Ursache in gesunken. Putin war in das Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil er nach Bekanntwerden des Unglücks seinen Urlaub am Schwarzen Meer nicht abgebrochen hatte. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, er habe westliche Hilfe zu spät akzeptiert. Der Staatschef hatte sich so auch den Zorn der Hinterbliebenen zugezogen.
Tagespresse vom 26.08.2000 

Gasexplosion Ursache für "Kursk"-Untergang?
Der Befehlshaber der Norwegischen Nordstreitkräfte, Vizeadmiral Einar Skorgen, hat in einem Interview mit dem
Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die Vermutung geäußert, der Untergang der "Kursk" sei durch eine Gasexplosion ausgelöst worden. Russlands Verteidigungsminister Igor Sergejew hatte immer wieder betont, die "Kursk" sei nach der Kollision mit
einem anderem U-Boot gesunken. Dies bezeichnete Skorgen als eine nicht ernst zu nehmende Behauptung. Die beiden knallartigen Geräusche, die von westlichen Sonargeräten und Seismographen aufgezeichnet wurden, seien eindeutig Explosionen gewesen. Während die Ursache der ersten, leichteren Detonation noch unklar sei, schließt Skorgen bei der zweiten Explosion auf die Zündung eines brisanten Gemisches aus Sauerstoff und Wasserstoff. Beide Gase würden in großer Menge auf russischen U-Booten mitgeführt. Wegen der extremen Einschränkung der norwegischen Taucher durch die
russischen Militärs habe man allerdings keine näheren Aufschlüsse über den Verlauf der Katastrophe gewinnen können. Skorgen hatte auch die Rettungsoperation seines Landes für die eingeschlossene U-Boot-Mannschaft geleitet. Als weitere mögliche Unglücksursachen wurden die Explosion eines Torpedos, die Kollision mit einem russischen Kriegsschiff oder
Navigationsfehler genannt. Die USA und Großbritannien hatten eine Verwicklung ihrer U-Boote in das Unglück wiederholt
zurückgewiesen.
Russland zahlt hohe Entschädigung an "Kursk"-Hinterbliebene Unterdessen sollen die Angehörigen der 118 toten Seeleute des Atom-U-Bootes "Kursk" erste finanzielle Entschädigungen der Regierung erhalten. Die Hinterbliebenen erhalten laut Regierung Sparbücher über ein Schmerzensgeld von etwa 57.000 DM. Außerdem sollen sie zehn Jahre lang weiter den Lohn ihrer gestorbenen Angehörigen bekommen. 
Das gesunkene Atom-U-Boot stellt nach russischen Angaben keine Gefahr für die Umwelt dar. Der Schutzmantel um den radioaktiven Bereich der "Kursk" schließe ein Austreten gefährlicher Substanzen aus, sagte der Sprecher der Konstruktions- firma des U-Boots, Alexander Kirjuschin, in Moskau.
Die oberste russische Militärstaatsanwaltschaft ermittelt nach dem Untergang der "Kursk" wegen fahrlässiger Tötung im Verkehr. Am Vortrag hatten rund 150 Angehörige Abschied von den toten Seeleuten genommen. Sie fuhren zur Unglücks- stelle in der Barentssee und warfen Kränze und Blumen ins Meer. Mehr als die Hälfte der Angehörigen blieben an Land. Sie erklärten, nicht eher trauern zu wollen, bis die Leichen aus dem Wrack geborgen seien.
Tagespresse vom 26.08.2000 

U-Boot-Tragödie - Norweger lehnen Bergung der "Kursk"- Opfer vorerst ab
Die russische Regierung wird die 118 toten Seeleute des Atom-U-Bootes "Kursk" vermutlich erst mit dem ganzen Wrack bergen können. Die norwegischen Tieftaucher und das hinter ihnen stehende Unternehmen wollen sich wegen Sicherheits- risiken vorerst nicht an der Bergung der Toten beteiligen. Russlands Präsident Wladimir Putin ordnete für Mittwoch eine eintägige Staatstrauer an. Noch heute soll er nach Angaben russischer Agenturen zur Unglücksstelle reisen. Die russische Regierung bekräftigte, dass eine Kollision mit einem fremden Schiff die Ursache für das Sinken der "Kursk" gewesen sein soll. Verteidigungsminister Igor Sergejew sagte, neben dem russischen Boot sei ein ähnlich großes Objekt auf dem Grund der Barentssee gesichtet worden. Die USA erklärte darauf, zwei ihrer U-Boote hätten das Manöver aus der Ferne beobachtet. Sie seien keinesfalls in eine Kollision verwickelt gewesen. Das britische Verteidigungsministerium in London ließ verlauten, es habe keine U-Boote in dem Gebiet stationiert. Eine Fortsetzung der Arbeit am Wrack sei wegen der damit verbundenen hohen Risiken "nicht aktuell", sagte der Sprecher des Unternehmens Stolt Offshore, Leif Aspen, in Stavanger. Die Tieftaucher sollten den Unglücksort heute verlassen, hieß es im norwegischen Rundfunk. Die russische Regierung will in zwei Wochen ein erstes Projekt zur Bergung der "Kursk" erörtern. Die Hebung des 18 000 Tonnen schweren Bootes sei nur mit ausländischer Hilfe möglich, hieß es. Experten hatten gewarnt, dass das mit Wasser gefüllte Wrack bei einem Bergungsversuch zerbrechen könnte.
Der russische Verteidigungsminister hatte zuvor die Verantwortung für die Rettungsaktion an dem gesunkenen Atom-U-Boot "Kursk" in der Barentssee übernommen. Er habe dem wegen seines Verhaltens jetzt in die Kritik geratenen Präsidenten Wladimir Putin abgeraten, seinen Urlaub abzubrechen, sagte Sergejew. Russische Zeitungen schreiben unterdessen, dass das Boot möglicherweise mit 130 Menschen an Bord gesunken ist. Nach Informationen der Tageszeitung "Kosmolskaja" sollen
zwölf ranghohe Offiziere und zivile Spezialisten im Schiff gewesen sein.
Tagespresse vom 22.08.2000 

U-Boot-Unglück - Keine Überlebenden mehr in der "Kursk"
Alle Hoffnungen, an Bord der "Kursk" noch Überlebende zu finden, haben sich zerschlagen. Norwegische Rettungstaucher, die über eine Notluke in eine Druckschleuse vorgedrungen waren, berichteten, das Innere des russischen U-Bootes sei voller Wasser. Die Bemühungen für eine Rettung möglicher Überlebender wurden abgebrochen. Die russische Regierung richtete an Norwegen die offizielle Bitte, Tote aus dem Wrack des Atom-U-Bootes zu bergen. Inzwischen entdeckten die Taucher nach russischen Medienangaben hinter der Schleusenkammer die Leiche eines toten Seemanns. Die Leiche solle vermutlich mit Hilfe von Greifarmen geborgen werden. Die "Kursk" war am 12. August aus noch ungeklärter Ursache Taucher an der Notluke
während eines Manövers in der Barentssee mit 118 Besatzungsmitgliedern an Bord gesunken. "Es hat sich gezeigt, dass das gesamte Boot mit Wasser gefüllt ist. Auf dieser Grundlage ist man zu der Schlussfolgerung gekommen, dass es keine Überlebenden geben kann", erklärte der Sprecher des nordnorwegischen Flottenkommandos in Bodö, Jon Espen Lien, im Rundfunk. Die Taucher fanden die Schleusenkammer unter der Rettungsluke und die darunter liegende neunte Sektion am Heck des U-Bootes überflutet vor. Norwegische und russische Militärspitzen hätten entschieden, dass die Rettungsaktion beendet wird, sagte Lien. Trotzdem sagte ein Vertreter des russischen Marinestabes am Montag, vollständige Gewissheit gebe es nicht. "Solange wir nicht genau wissen, dass alle Räume des Schiffes überflutet sind, hält sich die Hoffnung, dass wir wenigstens einige Besatzungsmitglieder der 'Kursk' retten können", zitierte ihn die Nachrichtenagentur Interfax. Lien sagte, die norwegische Seite werde auf Bitten der Russen Videoaufnahmen im Inneren der U-Boot-Sektion hinter der Rettungsluke anfertigen. Danach werde die Arbeit von ausländischer Seite eingestellt, sofern nicht politische Stellen in Norwegen oder Russland anders entscheiden. Die russische Regierung plant, das Wrack mit internationaler Hilfe zu bergen. Die baugleichen Schwesterboote der "Kursk" sollen bis zur Klärung der Umstände der Katastrophe nicht mehr auslaufen.
Tagespresse vom 21.08.2000 

Experten glauben, dass an Bord der gesunkenen "Kursk" niemand mehr lebt
Moskau - Die Hoffnung schwindet von Stunde zu Stunde. Kaum jemand glaubt nach tagelangen erfolglosen Rettungsversuchen wirklich daran, noch Überlebende in der "Kursk" zu finden. Gestern warteten die Retter seit über 24 Stunden vergeblich auf Klopfsignale aus dem in 100 Meter Tiefe in der Barentssee liegenden Havaristen. Die Lage sei "nahe an einer Katastrophe", sagte der russische Ministerpräsident Michail Kasjanow. Die letzten Hoffnungen richteten sich auf westliche Hilfe, die auf dem Weg ins Nordmeer ist. Doch dem britischen Rettungs-U-Boot "LR5", das von Norwegen unterwegs ist, stand ein 2400 Kilometer langer Seeweg bevor. Mit einem Einsatz wird nicht vor Sonnabend gerechnet. Rettungs-U-Boot LR5
Das britische Verteidigungsministerium gab sich optimistisch, dass die "LR5" an die "Kursk" andocken könne. Zunächst befürchtete man, dass dies auf Grund der anderen Konstruktion der Luken an russischen U-Booten nicht möglich sein werde. Weitere "gute Nachricht": Die "Kursk" liegt nicht so schräg wie angenommen auf dem Meeresgrund. Die Retter der russischen Nordflotte setzten gestern abwechselnd alle vier zur Verfügung stehenden Rettungskapseln für Tauchfahrten zur "Kursk" ein. In der Nacht waren jedoch vier Versuche gescheitert, an das U-Boot anzudocken. Es gibt seit Mittwoch keine Klopfzeichen mehr aus der "Kursk". Die Rettungsmannschaften haben keinen Anhalt, wie es im Inneren des gesunkenen Bootes aussehe. Es ist auch unklar, ob die Notversorgungssysteme für Sauerstoff funktionieren. Laut Experten reicht der Sauerstoff  bestenfalls bis heute. Der Marine-Arzt Karl-Peter Faesecke gibt der Besatzung der "Kursk" so gut wie keine Überlebenschance mehr. "Ich halte es für ausgeschlossen, dass man hier noch erfolgreich eine Rettung bewerkstelligen könnte", sagte er. Aus seiner Sicht geht schon seit mehreren Tagen niemand mehr ernsthaft davon aus, dass an Bord der "Kursk" noch Leben sei. Das Vorderteil des Bootes weist starke Zerstörungen an zwei Kammern auf. Es ist unklar, warum die Mannschaft bei dem Unglück die Rettungssysteme an Bord nicht aktiviert habe. Experten der Marine glauben, dass eine gewaltige Explosion im vorderen Teil des Bootes das Unglück auslöste. Der Kontrollraum wurde dabei völlig zerstört. Die Detonation beschädigte auch die Rettungskapsel im Inneren der "Kursk", so dass sich die Seeleute nicht befreien konnten.
Tagespresse vom 18.08.2000 

U-Boot-Drama: Retter kämpfen gegen die Uhr Russland bittet die Nato um Hilfe 
Moskau - Nach einem fehlgeschlagenen Rettungsversuch für die 116 in einem russischen Atom-U-Boot eingeschlossenen Seeleute hat Russland gestern Abend die Nato um Hilfe bei der Rettung der eingeschlossenen Seeleute gebeten. Eine Streitkräfte-Delegation wurde von Nato-Experten in Brüssel empfangen. Dort solle über weitere Rettungsmöglichkeiten beraten werden, verlautete aus Nato-Kreisen. Ein offizielles Hilfeersuchen der Russen läge jedoch noch nicht vor. Trotz einsetzender Dunkelheit wollten die Retter vor Ort noch am Abend einen weiteren Versuch starten, um die Seeleute aus dem Atom-U-Boot "Kursk" in gut 100 Meter Tiefe vom Grund der Barentssee zu bergen. Gestern hatten laut Marinesprecher Lage der Kursk
Igor Digalo Experten erstmals versucht, eine Rettungsglocke zu dem U-Boot hinabzulassen. Das Rettungsgerät sollte an einen Notausstieg angedockt werden. Nach Presseberichten erschwerte jedoch die Schlagseite von rund 60 Grad den Zugang zu den Notluken. Ein großes Hindernis waren außerdem die hohen Wellen. Das U-Boot war nach jüngsten Angaben bereits am
Sonnabend in der Barentssee im Nordpolarmeer auf Grund gelaufen. Über die Unglücksursache herrschte weiterhin Rätselraten. Als die wahrscheinlichste Ursache betrachtete der Marinesprecher eine Explosion in der Torpedo-Kammer.
Die Verständigung mit der Besatzung erfolgte im Tagesverlauf nur über Klopfzeichen, so dass eine Einschätzung der Lage im Boot schwierig sei. Spekulationen, wonach zahlreiche Besatzungsmitglieder tot seien, wies der Marinesprecher zurück. 
Tagespresse vom 16.08.2000 

Ein Atom-U-Boot der „Antej-Klasse“ ist nach einem Unfall gesunken
Moskau - Nach dem Untergang eines russischen Atom-U-Boots in der Barentssee ist gestern eine dramatische Rettungsaktion für 116 auf dem Meeresgrund gefangene Besatzungsmitglieder angelaufen. Für die Seeleute gab es bis gestern Abend aber nur wenig Hoffnung, sagte Marinekommandeur Wladimir Kurojedow. Die russische Flotte führte das Sinken des Atom- U-Boots "Kursk" unweit der Nordküste Europas auf die Kollision mit einem ausländischen Unterseeboot zurück. "Trotz aller Anstrengungen sind die Chancen auf einen glücklichen Ausgang in dieser Lage nicht sehr hoch", sagte Marinechef  Kurojedow. Der Fernsehsender NTW berichtete, dass die Marine keine Bergung der "Kursk" mehr erwarte, sondern alle Kräfte auf die Rettung der Besatzung konzentriere. Barents-See
Das U-Boot lag mitSpuren einer "ernsthaften Kollision" und Beschädigungen an Bug und Turm etwa 180 Kilometer nordöstlich der russischen Hafenstadt Murmansk in 100 Meter Tiefe. Es war am Sonntag bei  einem Manöver der Nordflotte gesunken. Retter befestigten gestern Abend eine Sonde zur Versorgung mit Strom und Sauerstoff an dem Havaristen. Auch der Sprechkontakt wurde wieder hergestellt. Die Bergungsarbeiten an dem 155 Meter langen U-Boot mit einer Verdrängung von 18 000 Tonnen könnten durch  starke Unterwasser-Strömungen behindert werden, warnten Experten. Es gebe keine Gefahr einer radioaktiven Verseuchung, hieß es. Das Boot habe keine Atomwaffen an Bord. Die Atomreaktoren seien abgeschaltet worden und unter  Kontrolle. Möglicherweise sei das vermutete ausländische U-Boot bei der  Kollision ebenfalls beschädigt worden und liege noch in der Nähe der "Kursk", sagte der russische Marinesprecher. Das amerikanische Verteidigungsministerium bestätigte lediglich, dass das Aufklärungsschiff "USNS Loyal" im Manövergebiet gewesen sei. "Ich habe keine Information, dass ein US-Schiff in die angebliche Kollision des russischen U-Bootes verwickelt ist", sagte eine Sprecherin des Pentagons. 
Tagespresse vom 15.08.2000 

Die "Kursk": Ein Koloss auf dem Meeresgrund
Die "Kursk" ist eines der modernsten russischen U-Boote. Sie wurde 1995 in Dienst gestellt und gehört zur so genannten "Antjej"-Klasse, die von der Nato Oscar-II genannt wird. Das Boot ist 154 Meter lang und etwa 18.000 Tonnen schwer. Es kann bis zu 24 Marschflug- körper mit konventionellen oder atomaren Sprengköpfen tragen und gleichzeitig abfeuern. Diese Waffen vom Typ SS-N-19 wiegen etwa sieben Tonnen und haben eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern. Die Nato führt die Marschflugkörper unter der Bezeichnung "Shipwreck" (Schiffswrack). Die "Kursk" dient unter anderem zum Einsatz gegen Flugzeugträger. Sind die angegriffenen Schiffe erst einmal durch die Marschflugkörper manövrierunfähig geschossen, können sie anschließend mit Torpedos versenkt werden. U-Boot Kursk
Das Boot gehört zur russischen Nordflotte, die an der Nordküste Skandinaviens stationiert ist. Die Flotte ist der stärkste Marineverband des Landes. Zu ihr zählen nach westlichen Angaben knapp 40 der insgesamt mehr als 70 russischen Atom-U-Boote.
Die russische Marine hat inzwischen Entwarnung gegeben. Atomwaffen seien nicht an Bord der "Kursk" gewesen. Militärexperten bezweifeln diese Aussage allerdings. Umweltschützer befürchten, dass aus den Antriebsreaktoren des Atom-U-Boots radioaktives Material austreten könnte. Nach Angaben der norwegischen Strahlenschutzbehörde ist
bislang aber noch keine ungewöhnliche radioaktive Strahlung gemessen worden. Normalerweise können U-Boote der "Antej-Klasse" mit maximal 130 Mann Besatzung bis zu 120 Tage ununterbrochen tauchen, wozu aber die Atomreaktoren eingeschaltet sein müssen. Die beiden Reaktoren des Bootes haben eine Kapazität von jeweils 190 Megawatt. Nach einem Störfall am Sonntag mußten sie allerdings abgeschaltet werden. Seitdem liegt das U-Boot in 107 Metern Tiefe auf dem Grund der Barentssee im Nordpolargebiet.
Tagespresse vom 15.08.2000 


Seitenanfang