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Ein Seemann erinnert sich
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1957 sank die Pamir: Klaus Arlt hätte um ein Haar angeheuert
Die Pamir befand sich einige hundert Seemeilen von den Azoren entfernt mitten im Atlantik, als der Hurricane Carrie über den Segler hereinbrach. Das 114 Meter lange Schiff trotzte lange dem Sturm und den gewaltigen Wellen. Per Funk erreichte die Nachricht vom Kampf der Besatzung gegen das drohende Kentern die Heimat. Doch der Hurricane war stärcker. Am späten Nachmittag 21. September ging ein letzter Funkspruch ein: "SOS - die Pamir treibt entmastet mit Schlagseite - Schiff geht unter - SOS." Dann herrschte Totenstille. - Sechs Mann überlebten - 86 Mann waren an Bord gewesen. Ein bis heute unbekannter Teil der Crew rettete sich in dem Chaos aus Wind, haushohen Wellen und versinkendem Schiff in die Beiboote. Gefunden wurden am Ende sechs lebende Besatz- ungsmitglieder. 80 Mann fanden den Tod. Darunter viele Auszubildende, denn die Pamir war ein Segelschulschiff. Ebenso wie ihr Schwesterschiff - die Passat. Der Ottersberger Klaus Arlt war als Matrose an Bord, als die Passat zum letzten Mal der Pamir begegnete. " Unser jüngster Moses rief plötzlich mitten im Atlantik: Turm recht voraus", erinnert sich der heute 63-jährige. "Da haben wir uns gewundert: Was denn, plötzlich ein Turm, mitten im Atlantik? Dann dauerte es gar nicht lange und der Turm entpuppte sich als Segelschiff. Die Schiffsleitung teilte uns mit, dass es unser Schwesterschiff, die Pamir ist." Da war das Hallo natürlich groß. Die Besatzungen der parallel segelnden Schiffe winkten sich zu, riefen Begrüßungen herüber. Manche hatten Freunde an Bord des jeweils anderen Schiffes. "Schließlich kam man auf die Idee, ein Wettsegeln zu machen"; erzählt Klaus Arlt weiter und lächelt versonnen. "Die Pamir gewann - ich möchte mal sagen - mit Klüverbaum-Vorsprung Länge." Kurz wurde darüber nachgedacht, die Beiboote zu Wasser zu lassen, um sich gegenseitig zu besuchen. Die Kapitäne entschieden sich jedoch dafür, weiterzusegeln. Ein tragischer Entschluss, denn es war das letzte Mal, dass sich die beiden jungen Mannschaften der beiden Segelschiffe sehen sollten. Die Masten der Pamir verschwanden am Horizont. Einige Monate später trat der Kapitän der Passat mit leichenblassem Gesicht vor seine Mannschaft: "Die Pamir ist gesunken." Auch Klaus Arlt hätte um ein Haar auf der Pamir angeheuert, doch deren Mannschaft war bereits komplett. Welchem Schicksal er entgangen war, war ihm zunächst gar nicht bewusst."Ich glaube, dass ich in dem Moment nicht darüber nachgedacht habe, weil wir ja noch nicht wussten, was für eine Katastrophe sich dort abgespielt hat. Erst viel später ist einem bewusst geworden, dass man sich wirklich sagte: Was für ein Glück hast Du eigentlich gehabt, dass Du nicht auf die Pamir gekommen bist." Zum ersten Mal Todesangst. Wie es den Kameraden auf der Pamir ergangen sein musste, davon bekamen die Segler auf der Passat allerdings noch einen erschreckenden Eindruck. Denn die Viermastbark geriet in einen Orkan. Alle hatten zum ersten Mal in ihrem Leben Todesangst, sagt Klaus Arlt. "Am Anfang war das alles für uns sehr lustig und aufregend. Aber der Orkan, den wir abzureiten hatten, ging über vier Tage und die Neigung des Schiffes vermehrte sich zusehends. Die letzten anderthalb Tage war es dann so, dass wir uns immer an der Kentergrenze bewegten. Und mit jeder Welle fingen wir alle an zu beten und zu hoffen, dass diese Welle eben nicht so extrem ist, dass das Schiff umschlägt." Am 8. November 1957 läuft die Passat in den Hafen von Lissabon ein. Mannschaft und Schiff sind unversehrt, wenn auch die junge Crew mehr als erschöpft ist. Nach dem tragischen Untergang der Pamir und der Orkanfahrt der Passat wird die Schulschifffahrt auf den so genannten Flying-P-Linern eingestellt. Die Passat liegt als Schiffahrts-Denkmal in Lübeck-Travemünde. Von der Pamir sind nur Erinnerungen geblieben. Warum die Viermastbark unterging, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
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