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 Seemannslexikon 
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Deutsche Marine
Niobe
Jackass-Bark "Niobe"
Niobe

Niobe
Art
Viermast-Gaffelschoner 
Werft
Fredrikshavn Skibsvacrft, Dänemark
Baujahr
1913als MORTEN JENSEN
Umbau 1922/1923 
zur Dreimast-Jackass-Bark " Niobe"
Deplacement
724 t
Länge 
46,1 m,  58 m mit Klüverbaum
Breite
9,17 m
Tiefgang
ca. 5 m
Höhe Großmast
43,8 m
Segelfläche
953 m²  in 12 Segel
Maschine
240 PS
Besatzung
32 Stammbesatzung, 65 Schüler
Eigner
Reichsmarine 
Heimathafen
Kiel

Segelschulschiff  " Niobe "
Schulschiff der Reichsmarine von 1922 - 1932

Die Reichsmarine übernahm 1922 den Segler Niobe um wieder Ausbildung auf einem Segelschiff durchführen zu können. Das letzte  Segelschulschiff war die Charlotte, die bereits 1909 außer Dienst gestellt worden war. In der Zwischenzeit erfolgte nur Bordausbildung auf Dampfkriegsschiffen.
Das Segelschulschiff NIOBE war 1913 als Viermast-Gaffelschoner in Dänemark gebaut worden und fuhr als MORTEN JENSEN unter dem Danebrog. Als norwegischer Frachter TYHOLM fiel der Segler am 21. November 1916 als Prise dem deutschen Unterseeboot UB 41 in die Hände. Es erfolgte die Umbenennung in ALDEBARAN. Späterer fuhr sie  unter den Namen Schwalbe Fracht.
Am 6. Februar 1922 übernahm die Reichsmarine den Viermastschoner und ließ ihn in Wilhelmshaven zur Schoner-Bark (besser Jackass-Bark) mit einer Segelfläche von 953 Quadratmetern umbauen. Zur Stammbesatzung gehörten 32 Mann, dazu kamen pro Lehrgang 65 Schüler. Jährlich fanden vier Lehrgänge (drei für Unteroffiziers- und einer für Offiziers- anwärter) von etwa zweieinhalb bis drei Monaten statt. 12 Tage lang erfolgten die "Trockenübungen" auf dem an der Blücherbrücke in Kiel festgemachten Schiff als Vorbereitung auf die erste Seereise. Dann wurden die Leinen Iosge- worfen, und der Segler glitt  seewärts. War der Leuchtturm Friedrichsort passiert, begann der Ernst :
»Enter auf!« - »Leg aus!« - »Alle Segel setzen!« - »Segel los.«
Wenn die Jungen nach dem ersten Kommando wieder an Deck standen, um an den Brassen und Schoten zu arbeiten, waren ganze drei Minuten vergangen. Die Ausbildungsreisen führten in Nord- und Ostsee, mitunter in den Nordatlantik.

Der 26. Juli 1932 war der Schicksalstag des Segelschulschiffes NIOBE. Es war am 25. Juli aus Kiel zur Ostsee-Reise ausgelaufen, erster Hafen sollte Warnemünde sein. Die Nacht über ankerte es bei Fehmarn und ging am nächsten Tag ankerauf, um mit südöstlichen Kurs abzulaufen. Es wehte ein frischer SüdwestWind mit Stärken von 3 bis 4, um 13.00 Uhr passierte NIOBE das Feuerschiff Fehmarnbelt an Steuerbord. Im Südwesten hatte sich inzwischen eine bedrohlich aussehende Gewitterfront gebildet, die den Kapitän veranlaßte, Ölzeug für die an Deck befindliche Steuerbordwache auszugeben und die oberen Segel wegzunehmen. Die Backbordwache befand sich zum Unterricht unter Deck. Es begann zu regnen. Um 14.27 Uhr fiel plötzlich eine an Stärke schnell zunehmende, fast senkrechte Böe ein, das Schiff krängte sofort auf 40 bis 50 Grad nach Backbord, die Ruderwirkung setzte aus. Der Erste Offizier versuchte noch, anluven zu lassen, aber NIOBE legte sich völlig auf die Seite und kenterte innerhalb weniger Minuten. 
69 Seeleute fanden den Tod: drei Seeoffiziere, der Schiffsarzt, der  Zahlmeister, acht Unteroffiziere, 36 Offiziersanwärter, 10 Unteroffiziersanwärter, neun Matrosen und der Koch. Unter den Offiziersanwärtern waren sechs Medizinstudenten der Universität Greifswald, zukünftige Marineärzte, die ihr seemännisches Praktikum absolvierten.
Der Hamburger Dampfer THERESE RUSS und ein Rettungsboot des Feuerschiffes befanden sich schnell am Unglücksort, bald trafen Schnellboote und die Kreuzer KÖLN und KÖNIGSBERG ein. Sie beteiligten sich an den Rettungsarbeiten, aber nur 40 Mann konnten gerettet werden.
Das Unglück verursachte eine große Betroffenheit und Trauer in weiten Teilen der Bevölkerung.
Niobe
Ein Kriegsgericht untersuchte die Ursache, der sich der gerettete Kommandant des Schiffes, Kapitänleutnant Ruhfus, zu stellen hatte. Die Verhandlung  ergab, daß kein Verschulden des Kapitäns sondern »höhere Gewalt« vorlag. Der Kapitän habe aus dem Erscheinungsbild der Gewitterfront keine Besonderheiten erkennen können, er wurde freigesprochen. 
Trotz des Unglückes unternahm die Reichsmarineleitung alles, um die  Segelschiffsausbildung mit Hilfe kleinerer Segler fortzusetzen. Der "Segelschoner-Verband der Reichsmarine" übernahm für einen begrenzten Zeitraum fünf Schoner: 
DUHNEN
(126 BRT)
1933-1936
JUTTA
( 66 BRT )
1933-1934
EDITH
( 66 BRT )
1932
ORION
( 97 BRT )
1933-1934
GUD-WIN
( 75 BRT )
1932-1934
 
Gedenkzmünze

Um ein neues Segelschulschiff bauen zu können, wurde die " Volksspende NIOBE " eingeführt, mehr als 200000,- Mark kamen zusammen. Blohm & Voss übernahm den Auftrag, ein Segelschiff zu entwickeln, das am 14. Januar 1933 auf Kiel gelegt, am 27. Juni 1933, also knapp ein Jahr nach der Katastrophe, unter dem Namen GORCH FOCK in Dienst gestellt wurde.

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