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Dienstältestes Kriegsschiff mit ziviler Vergangenheit
"Ile d'Oléron" tritt letzte Fahrt an -1939 als Frachter "Mur" in Wesermünde im Einsatz
Das nach Kenntnis der französischen Marine dienstälteste Kriegsschiff der Welt wird in den Ruhestand verabschiedet.

Alte Bremerhavener könnten das Schiff kennen:

1939 hieß es noch " Mur " und war ein Frachtschiff.

Gebaut wurde die 115 Meter lange und 15,3 Meter breite "Mur" bei Deschimag in Bremen,
Abliefertermin: 12. März 1939.


Die Einsatzzeit in Bremerhaven - beziehungsweise in Wesermünde, wie die Stadt damals hieß - war aber nur kurz: Schon am 21. Dezember 1942 beschlagnahmte die deutsche Kriegsmarine das Schiff und setzte es als " Sperrbrecher 32 " vor der französischen Nordwestküste ein. Am 20. August 1944 gaben die Deutschen dem Schiff mit "München" schon seinen dritten Namen und bauten es zu einem schwimmenden Lazarett mit 550 Betten um. Seit dem 23. Januar 1945 wurde es nicht mehr eingesetzt, weil kein Treibstoff mehr da war. 

Nach Kriegsende fiel das Schiff an die Franzosen, die es in " Ile d'Oléron " umtauften - und diesen Namen bis heute bewahrten. Zuerst wurde die "Ile d'Oléron" als Truppentransporter eingesetzt. Bis zu 584 Soldaten fanden hier Platz und wurden unter anderem nach Afrika und nach Indochina gebracht. Bei einem der ersten Einsätze brachte das Schiff außerdem 6000 Kisten voller Gold zurück, die die französische Notenbank vor dem Krieg im afrikanischen Dakar in Sicherheit gebracht hatte. Später waren auch mal zwei Elefanten an Bord - ein Geschenk von Prinz Sihanouk an das französische Volk.
Sperrbrecher 32
"Sperrbrecher 32" im Jahre 1944
( ex Mur)
Ile d'Oleréon
"Ile d'Oléron" 

1957 begann der Umbau zu einer Art militärischen Forschungsschiffs: An Bord wurden neu entwickelte Raketen  und Luftabwehrwaffen getestet. 43 französische Offiziere haben insgesamt im Laufe der Zeit auf der Kommandobrücke der "Ile d'Oléron" gestanden.
Bemerkenswert ist die "deutsche Wertarbeit": Auch ihre letzte Fahrt ( März 2002 ) im Mittelmeer wird die "Ile d'Oléron" mit der Originalmaschine von 1939 unternehmen. Die beiden MAN-Diesel waren insgesamt rund 50 000 Stunden in Betrieb. Rein rechnerisch hat die "Ile d'Oléron" damit in 63 Jahren 25 Mal die Erde umrundet.

NZ-Pressemitteilung vom 22.03.2002