Die Bedeutung der
Marine für die Unterweserhäfen läßt sich nicht mit
der in Kiel oder Wilhelmshaven vergleichen. Bremerhaven und Geestemünde
waren immer Handelshäfen und nie in erster Linie Kriegshäfen.
Dennoch war die Marine auch hier präsent und gab wichtige Impulse.
Bremerhaven
kann immerhin für sich in Anspruch nehmen, Heimathafen
der ersten
deutschen Flotte
( Link ) gewesen
zu sein. Im Revolutionsjahr 1848 tagte in Frankfurt die
National- versammlung. Als es wegen Schleswig-Holstein zur
kriegerischen Auseinandersetzungen mit Dänemark kam,
beschloß man in Frankfurt, eine deutsche Kriegsflotte
aufzubauen. Diese bestand im Jahre 1850
immerhin aus neun dampf- getriebenen Fregatten und Korvetten,
zwei Segelfregatten und 27 Kanonenbooten.
Oberbefehlshaber
wurde Karl Rudolf Brommy. Einige
der Schiffe für die Flotte wurden in England gekauft.
Da die Zufahrt in die Ostsee durch die überlegene dänische
Flotte versperrt war, mußte ein Nordseehafen zum Flottenstandort
gemacht werden. Die Wahl fiel auf Bremerhaven, wo Brommy
bald Marineeinrichtungen aufbaute. Aufgrund der Kurzlebigkeit
der Flotte, sie hatte nur ein Gefecht (1849) vor Helgoland
und wurde schon 1852 wieder aufgelöst, hatten diese
jedoch keinen bleibenden Bestand. |
Bremerhaven
Reede: Die Kriegsflotte des Deutschen Bundes
|
Der
nächste Versuch zum Aufbau einer deutschen Flotte wurde erst im Kaiserreich
seit 1871 unternommen.
Auch dieses Unternehmen
stand unter keinem glücklichen Stern. Letztlich trug die deutsche
Flottenrüstung mit dazu bei, die deutsch-englischen Beziehungen zu
verschlechtern und den Ersten Weltkrieg auszulösen. In den Unterweserorten
zeigte die kaiserliche Marine erstmals 1887
Flagge.
In diesem Jahr wurde die III.Matrosen-Artillerie- Abteilung nach Lehe verlegt
und bezog die dortige Artilleriekaserne. Anfangs handelte es sich nur um
165 Mann und vier Offiziere, später betrug ihre Stärke 488 Mann.
Ein Marinelazarett wurde eingerichtet, zuerst in der Wurster Chaussee,
später in der Surfeldstraße. Von 1889 bis 1907 gab es die Marine-Telegraphenschule.
Einfluß nahm die Marine auch auf den Ausbau der Häfen.
Im
Ersten Weltkrieg war ein Hilfsminensuchverband an der Wesermündung
stationiert. Marinesoldaten waren
es auch, die 1918 hier
den Soldatenrat stellten, der vorübergehend zusammen mit einem Arbeiterrat
die Macht übernahm. Die Niederschlagung der Bremer Räterepublik
und die Beschränkungen des Versailler Friedensvertrages, führten
dann dazu, daß fast alle Soldaten entlassen und die Marinedienststellen
aufgelöst wurden.
Erst die massive Aufrüstungspolitik
der Nationalsozialisten im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges machte Bremerhaven
/ Wesermünde wieder zu Garnisionsstädten. 1935
wurde ein Marinestützpunkt im Kaiserhafen I
eingerichtet. Bremerhaven wurde Heimathafen für die 4.
Zerstörerflottille. In der Polizeikaserne Roter Sand wurden
Marine Rekruten ausgebildet. Auf dem ehemaligen Gelände der Tecklenborgwerft
in Wesermünde wurde im gleichen Jahr die Marineschule
Wesermünde eingerichtet. Zusätzlich entstanden 1936 in
Lehe Kasernenanlagen - die heutigen Stadthäuser. 1939 wurde das Marinelazarett
(das spätere Military Hospital der Amerikaner) in Dienst gestellt.
Der Bau eines U-Boothafens als Verlängerung des Kaiserhafens II, 1938/39
begonnen, wurde dagegen nicht vollendet. Auch die Pläne zur Stationierung
eines Flugzeugträgers im Nordhafen kamen nicht zur Ausführung.
Am Leher Tor entstand aber die Standortverwaltung.
Während des Krieges
war Wesermünde Standort für die 5. Vorpostenflottille
aus umgebauten Fischdampfern. Im Fischereihafen wurden Marinesoldaten in
den Baracken des sogenannten "Ehrenbergerlagers" untergebracht. Die Columbuskaje
war 1940 Ausgangspunkt für zwei Kampfgruppen des Norwegenfeldzuges.
Die meisten in Wesermünde stationierten Marinesoldaten wurden in der
Endphase des Krieges zum Infanterieeinsatz herangezogen. Im Mai 1945 lagen
die 8. Sperrbrecherflottille, die 23.
Räumbootflottille, die 21. Minensuchflottille
und
Reste der Vorpostenflottille in den Häfen.
Alle Marineeinrichtungen wurden 1945 an die Amerikaner übergeben.
Die
Bundesmarine ist seit 1956 wieder in Bremerhaven präsent. Kernstück
sind die Kasernenanlagen mit der Marineortungsschule
an der Geeste. Im Oktober 1997 wurde die Marineortungsschule
in Marineoperationsschule umbenannt.
|
Am 18.11.1999 wurde
das rot-weiße Fahnenband des Landes Bremen
zur Truppenfahne der Marineoperationsschule durch den Präsidenten
der Freien Hansestadt Bremen, Henning Scherf, verliehen. Zugleich hielt
der Bürgermeister auch erstmals die Ansprache anlässlich der
Vereidigung und des Feierlichen Gelöbnisses der Rekruten. Mit der
Verleihung des Fahnenbandes würdigt das Land Bremen den Beitrag der
Marineoperationsschule zur Stärkung und Festigung des gegenseitigen
Verständnisses von Bürgern und Staatsbürgern in Uniform
und sie weist auf die Verbundenheit der Stadt Bremerhaven
mit
der Marineoperationsschule hin, die integraler Bestandteil dieser Stadt
ist.
|
 |
|